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Sonntag, 8. Juli 2007

Eicher-Teile für Palästina: Abenteuerliche Hilfsaktion der Eicherfreunde Schwarzwald

Es gibt Regionen auf dieser Welt, da werden Oldtimer-Schlepper nicht nur für Schleppertreffen oder leichte Arbeiten herausgeholt – dort sind sie überlebenswichtig für ganze Familien und Dörfer. Zum Beispiel für Fathi uns seine Familie im Dörfchen Beit Omar in Palästina. Dort ist ein Eicher vom Typ 3712 von 1977 im täglichen Einsatz. Dramatischer Ölverlust (2 Liter pro Tag) und chronischer Mangel an Ersatzteilen bedrohten den Lebensunterhalt der Familie. Bis die Eicherfreunde Schwarzwald eine tolle Hilfsaktion starteten.

Das Dorf Beit Ommar ist ein reines Bauerndorf, berühmt für seinen Anbau von Früchten, Äpfeln, Birnen, Trauben. Es hat 16.000 Einwohner und liegt 20 km von Jerusalem und 12 km von Hebron entfernt im südlichen Westjordanland.

Fathi verlor wegen Finanzschwierigkeiten seine Arbeit bei einem Verein. Um seine Familie zu ernähren bleibt ihm nur noch seine bescheidene Landwirtschaft: 20 ar für Gurkenanbau, 30 ar für Obsttbäume, 35 für Tomaten und 40 für Trauben. Er hat 5 Söhne und 5 Töchter von denen 3 noch zuhause leben. Der Verkaufspreis für die Früchte ist seit dem Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2002 abgestürzt. Vor 5 Jahren verkaufte ein Erzeuger seine Pflaumen für umgerechnet einen knappen Euro pro Kilo, jetzt sind es nicht einmal 15 Cent.


Hilfe von den Eicherfreunden Schwarzwald

Fathis Eicher vom Typ 3712 A, Baujahr 1977, ist in schlechtem Zustand. Geld zur Wartung hat er kaum. Ersatzteile sind teuer und schwer zu bekommen. Bei einem Besuch beginnt Alain, ein Freund aus Frankreich, sich auf die Suche nach Ersatzteilen und Geld zu machen. Gar nicht so einfach. Zurück in Europa verkauft er selbstgebackenes Weihnachsgebäck auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt und restauriert alte Möbel um die Hilfsaktion zu finanzieren.

Als er sich nach einigen vergeblichen Versuchen im Internet auf die Suche nach Informationen zur Marke „Eicher“ macht, findet er den Verein „Eicherfeunde Schwarzwald“. Dort erklären sich Albert Pfaff und Norbert Fechtig spontan bereit zu helfen. In nur zwei Monaten sind alle Ersatzteile beisammen und können in Neustadt am Schluchsee abgeholt werden – uns das natürlich ob der guten Sache zum Freundschaftspreis. Weit über alle Erwartungen gibt es nun ein fast neues Oberteil des Motors, Zylinder, Zylinderköpfe, Dichtungen...

Das war jedoch nur der Anfang eines großen Abenteuers …

Denn am Flughafen Tel Aviv wird jeder einzelne Tourist einer unendlichen Befragung unterworfen. Wohin fahren Sie? Zu wem? Warum? Unmöglich zu gestehen, man wolle nach Palästina. Unmöglich also, sich dort mit 50 kg Motorersatzteilen für einen Schlepper zu präsentieren. Die Helfer beschließen also den versand per Luftfracht. Es findet sich sogar in letzter Minute ein Israeli der seine Adresse als Empfänger zur Verfügung stellt. Der kneift dann aber als es dann um die Verzollung geht. Alain hat nun keine andere Wahl, selbst nach Tel Aviv zu fahren um die Teile in Empfang zu nehmen. Er findet einen arabisch-israelischen Taxifahrer, der bereit ist, ihn für 450 Schekel (90€) von Jerusalem nach Tel Aviv zu fahren und dann vom Flughafen zum Dorf Beit Ommar. Es ist nur der Beginn eines total irrealen Abenteuers. Kafka hätte es nicht besser beschreiben können.

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Frachtbüros an Flughäfen sind niemals freundlich – auch nicht in Tel Aviv. Die Formalitäten beginnen mit einer Registrierung bei einer Gesellschaft, die sich um die Anlieferung kümmert.

„Das Paket ist eingetroffen. Macht 24€ (zusätzlich zu den 400 in Frankreich entrichteten Euro)"

„Füllen Sie dieses Formular aus, es kostet 18 €, wenn Sie das nicht auf Hebräisch können, fragen Sie im Büro gegenüber“.

„Ich kann es für Sie vervollständigen, aber das kostet Sie 30 €“ (aus denen, im Augenblick der Unterschrift 50 € werden)

„Folgen Sie mir ins Zollbüro....
"

Sind Sie sicher, dass es sich um Schlepper-, und nicht um Autoteile handelt?
Beweisen Sie mir das, die Zollgebühren sind nicht die Gleichen. Sie müssen 249€ Zollgebühren bezahlen."

"Nehmen Sie Platz, Ihr Paket wird geholt und in Ihrer Anwesenheit geöffnet...“
Nach zwei Stunden Wartezeit wird das Paket bei Anwesenheit von vier Zöllnern geöffnet. Jedes Teil, bis zur kleinsten Dichtung, wird ausgepackt und seine Anwendung muss bewiesen werden. Zum Glück haben die Eicher-Freunde Sorgfalt walten lassen und eine genaue Liste der Teile sowie ein Handbuch beigelegt. Nach 20 Minuten wird der Karton wieder verschlossen und der Verantwortliche schickt ein geheimnisvolles „Good Luck“ zu Alain hinüber.


Es dauert eine ganze Woche das Paket aus den Klauen des Flughafens zu befreien und ins Dorf zu verfrachten. Die Freude bei Fathi und der ganzen Familie ist riesengroß. Der Mechaniker wird noch am selben Tag eingeladen um die Teile in Augenschein zu nehmen. Aber vorerst packt er sie sorgfältig wieder ein. Er will sie erst gegen Ende der Erntezeit montieren. Niemand will es riskieren zur Hochsaison am Schlepper umzuschrauben.

Eicher-Hochburg im Westjordanland

Alain ist wieder einmal betroffen von der Passion für Eicher Schlepper. Ein alter Mann behauptet sogar, im Dorf gebe es mehr als im ganzen übrigen Westjordanland. Der erste Traktor war ein Zetor im Jahr 1967. Er gehörte dem Dorfoberhaupt. Eicher Traktoren sind beliebt wegen ihrer Robustheit, der leichten Handhabung und der schmalen Spur. Die Tatsache dass Ersatzteile schwer zu finden und extrem teuer sind zwingt die Besitzer bei aller Zufriedenheit aber oft zum Verkauf. Neue Marken wie SAME und FIAT gewinnen aus wirtschaftlichen Gründen die Oberhand.

Über die Eicherfreunde Schwarzwald:

Der Verein zählt knapp 650 Mitglieder in deren Besitz knapp 1500 Eicher Traktoren sind. 24 ehemalige und noch aktive Eicher Händler sind ebenfalls Mitglied (z.B. die Eicher Vertriebs GmbH). Im Vordergrund der Vereinsaktivitäten steht die Unterstützung der Schlepperbesitzer bei der Restaurierung ihrer Eicher Schlepper. Dabei helfen ein reichhaltiges Archiv und die guten Händlerkontakte. Der Verein hat auch eine sehr gelungene Homepage im Internet:

Hier gibt's ganz nette Blechschilder von Eicher und anderen Marken:

NostalgicSigns - 1001 Blechschilder



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