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Dienstag, 3. Juli 2007

Besuch auf dem Traktorfriedhof - Teil 1

Für das Magazin AgroClassic waren wir kürzlich in den USA zu Besuch auf einem Traktorfriedhof. Die daraus entstandene Reportage und Fotos gibt's in den nächsten Wochen in mehren Teilen an dieser Stelle. Hier also Teil 1.

Kein Zweifel: Keine Erfindung hat das Leben des Landwirts in den letzten hundert Jahren so erleichtert wie der Traktor. Schon die monströsen dampfgetriebenen Giganten der Anfangsjahre ermöglichten es dem, der es sich leisten konnte, mehr Feld bei weniger Arbeit zu bestellen. Und noch viel mehr: Schon bald gab es alle möglichen Erweiterungen, die den Traktor schon bald zu einem unverzichtbaren Helfer bei der Bewältigung unzähliger Aufgaben machten – im Geschäftsleben auch „Produktivitätszuwachs“ genannt. Soviel Effizienz zahlte sich natürlich aus. Die Bauern machten immer mehr Umsatz, den sie dann … nun … in noch mehr Landmaschinen stecken konnten. Dieses Karussell dreht sich (wenn man mal vom stets steigenden Umsatz absieht) auch über 100 Jahre später noch munter weiter: Wer es sich leisten kann, kauft immer neue, bessere, produktivere Maschinen.

Was aber passiert mit so einer Maschine, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat und aufs Abstellgleis gestellt wurde? Wenn der Bauer irgendwann entscheidet: Das brauche ich nicht mehr. Vielleicht ist sie durch Abnutzung, Missbrauch oder Unfall unbrauchbar geworden. Vielleicht wird sie, obwohl noch funktionstüchtig, einfach nicht mehr benötigt. Drei Möglichkeiten: Schrottpresse, Scheune oder Sammlerherz.


Millionen Traktoren rosten vor sich hin

Nicht in Amerika, wo Platz keine Rolle spielt und Umweltschutz in den Kinderschuhen steckt! Dort stellt der Bauer seine alten Maschinen irgendwo auf einer abgelegenen Wiese oder am Holzlagerplatz ab. Die einst glänzende Farbe bleicht langsam aus und weicht dem Rost, der sich zunächst am Auspuff, später am ganzen Körper, ausbreitet. Millionen alter Landmaschinen rosten so stumm, stoisch und einsam vor sich hin.

Einsam? Nicht alle! Denn genauso wie es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unvorstellbar große Schrottplätze für Autos gibt, findet man immer wider so genannte „Tractor Graveyards“. Auf Deutsch: Traktoren-Friedhöfe.

Vor allem im mittleren Westen, der Kornkammer der USA, gibt es einen ganzen Berufsstand, der nichts anderes tut als auf dem Lande alte Landmaschinen aufzuspüren. Sie nehmen an Hof-Verkäufen und Auktionen teil oder fahren einfach durch die Dorfstraßen auf der Suche nach nicht mehr benötigten Gerätschaften. Der Tag ist gerettet, wenn der Blick über eine Weide streift und am anderen Ende ein bewaldetes Grundstück auftaucht, auf dem der Farmer über Jahrzehnte seine alten Geräte aufbewahrt hat. Ist der Fund erstmal gemacht, beginnt die eigentliche Arbeit. Der Schatzsucher muss herausfinden, wem das Grundstück mit den begehrten Maschinen eigentlich gehört. Und dann ist da noch der Bauer, der überredet sein will, das Zeug auch herzugeben. Oft gar nicht so einfach. Und so ist der erste Ansatz dann auch meistens ein ästhetischer: „Menschenskind! Die Weise würde ohne den ganzen Müll darauf wahrscheinlich viel schöner aussehen...“

Ohne Motorsäge geht oft gar nichts

Das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Die Tatsache, dass sich auf einmal jemand für das interessiert was der Farmer jahrelang als hässlichen Müll angesehen hat, könnte sentimentale Gefühle wecken – oder zumindest den Preis in die Höhe treiben. Die Amerikaner sind nicht umsonst als besonders geschäftstüchtig bekannt. Es kursieren glaubhafte Geschichten von gewitzten Käufern, die doch tatsächlich angeboten haben, die Bäume aus einem Waldstück „zum Holzmachen“ zu kaufen und „den ganzen Müll kostenlos wegzuschleppen“. Das wiederum ist gar nicht so einfach, denn erstens wurde das Waldstück bestimmt nicht wegen seiner einfachen Zu

fahrt als Schrottplatz gewählt, und zweitens haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Bäume um und über den Maschinen ausgebreitet. Ohne Motorsäge geht da oft gar nichts.

Richard hat Landmaschinen aller Typen

Richard Erb ist so ein Traktor-Typ. Seit über 40 Jahren hat der knorrige Mann mit deutschen Vorfahren den Bauern in seiner Gegend ihre historischen Schätze abgequatscht. Auf seinem Grundstück finden sich hunderte alter Landmaschinen aller Typen, Größen und Zustände. Zwar wird man den neuesten John Deere Mähdrescher vergeblich suchen. Dafür gibt’s Schmuckstücke wie einen Case Traktor von 1947 oder einen FarmAll von 1939 und unzählige Pflüge, Ackerfräsen, Miststreuer und sogar noch etliche Maschinen für Pferdegespanne. Wenn’s dazu noch eine historische Mistgabel sein soll – auch kein Problem.

Richard Erb ist ein kleiner, freundlicher und ruhiger Mann, sein Gesicht ist gezeichnet mit den Lachfalten von über 80 Jahren, die man ihm angesichts seines Elans gar nicht so recht abnehmen mag. Ohne mit der Wimper zu zucken schwingt er sich noch heute – den Schraubenschlüssel in der Hand - auf dem Rücken unter einen Traktor, um ein komisches Geräusch zu untersuchen. Nur ein Zugeständnis macht er seinem Alter: “Als ich 70 wurde”, lacht er, “habe ich gemerkt dass es bequemer ist nah am Esstisch zu arbeiten.“

Seitdem werden die Neueinkäufe in den vorderen Bereich statt in den letzten Winkel seines 16-Hektar-Hofes geschleppt.

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Fortsetzung folgt ...
  • Mehr über den Besuch auf dem Traktorfriedhof von Richard Erb in den nächsten Tagen an dieser Stelle
  • Vielen Dank an Grant Groberg von www.planetchicken.com für die tollen Fotos und die Geschichte über Richard Erb.

1 Kommentar:

Tanja Straktor hat gesagt…

Ein schöner Artikel. Es ist wirklich klasse das Menschen, wie dieser Mann mit so einer Leidenschaft an den Traktoren bastelt und sie repariert. Und das in einem so hohen Alter, wirklich Respektvoll!